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Heiler und Helfer

| 11. April 2024 | Keine Kommentare
Kategorie: Fazit 201, Fazitgespräch

Fotos: Marija Kanizaj und Julian Tatzl

Verantwortung für das Gesundheitswesen zu übernehmen, das ist derzeit wohl eine der undankbarsten politischsten Aufgaben. Der politische Handlungsspielraum ist begrenzt, die Probleme scheinen unlösbar. Wir haben Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl zum Interview getroffen und ihn gefragt, welche der vielen Baustellen er zuerst aufräumen will.

Das Gespräch führten Johannes Roth und Johannes Tandl.
Fotos von Marija Kanizaj und Julian Tatzl.

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Das Büro des Gesundheitslandesrates ist eines der schönsten des Grazer Landhauses. Wer hier arbeiten muss, verdient die helle Großzügigkeit des Raumes. Dieses Amt ist nichts für Menschen, die gerne eine ruhige Kugel schieben. Hier ist echte Motivation gefragt, denn die Herausforderungen, die das Gesundheitswesen mit sich bringt, sind gewaltig.

Wer hier sitzt, muss sich zunächst tief in die Komplexität eines unüberblickbaren Kompetenzdschungels vertiefen, um so etwas wie Lösungskompetenz zu erlangen. An allen Ecken und Enden fehlt Personal. Die Spitalsambulanzen sind überlaufen, auf Termine bei Fachärzten oder Operationstermine wartet man gefühlte Ewigkeiten. Engpässe gibt es aber auch in den Apotheken, bestimmte Medikamente sind einfach nicht verfügbar. Die Bevölkerung hat Schwierigkeiten damit, Verständnis für dringend notwendige Spitalsschließungen aufzubringen. Wenig davon ist aus dem Büro des Gesundheitslandesrates heraus allein lösbar. Alles in allem aber bietet die Situation im Superwahljahr 2024 der Opposition eine Steilvorlage.

In diesem Kontext hat Landeshauptmann Christopher Drexler genau ein Jahr vor der Wahl einen Spitalsarzt an den Schreibtisch im großzügigen Büro im zweiten Stock des Landhauses gerufen. Karlheinz Kornhäusl kennt die Probleme, hat keine Scheu vor harten Entscheidungen und langen Verhandlungen und er bringt eine Außensicht in das politische Getriebe, die maximale Lösungsorientiertheit verspricht.

***

Herr Landesrat, welche der vielen Baustellen im Gesundheitswesen kann ein Landesrat auf regionaler Ebene aufräumen? Der Kompetenzwirrwarr ist selbst für Profis nur schwer zu durchschauen.
Ja, es ist wahr: Wir haben einige Baustellen. Aber eine Baustelle muss ja nicht von vornherein etwas Schlechtes sein. Auf einer Baustelle entsteht Neues, da wird gearbeitet. Wenn ich nur von »Herausforderungen« sprechen würde, dann hätte ich vor allem selber das Gefühl, dass das ein bisschen eine Schönrederei ist. Und das will niemand. Es ist auch wahr, dass der Kompetenzwirrwarr kaum zu entflechten ist. Aber da kommt mir bis zu einem gewissen Grad natürlich mein Lebenslauf entgegen. Ich war ja schon in der Hochschülerschaft aktiv, in der Ärztekammer, in der Turnusärztevertretung, in der Spitalsärztevertretung etc. Insgesamt neun Jahre und auch auf Bundesebene. Ich war vier Jahre im Bundesrat als Gesundheitssprecher aktiv und habe insgesamt 15 Jahre als Spitalsarzt gearbeitet. Fünf Jahre bin ich als Notarzt unterwegs gewesen. Da gewinnt man dann einen guten Blick auf die Dinge.

Wie hilft Ihnen das bei Ihrer alltäglichen politischen Arbeit? Die unterschiedlichen politischen Zuständigkeiten löst ja der beste Lebenslauf nicht auf …
Es stimmt schon, es ist wirklich unheimlich kompliziert, weil eben viele verschiedene Player am Feld sind. Kommunen, Länder, Bund, Kammern, die verschiedensten Sozialversicherungsträger. Aber trotzdem hat man die Möglichkeit, vor allem im Landesbereich, etwas zu bewegen. In unserem Fall ist es die KAGes, die ja im Alleineigentum des Landes steht und für die ich die politische Verantwortung trage. Wir haben da schon einiges auf den Weg gebracht – Stichwort Gehaltspaket.

Foto: Marija Kanizaj und Julian Tatzl

Das wurde noch von Ihrer Vorgängerin verhandelt, richtig? Worum ging es da genau?
Wir haben im Oktober des letzten Jahres 130 Millionen Euro freigemacht, das größte Gehalts- und Personalpaket, das je geschnürt wurde. Das hat es in dieser Form in Österreich noch nie gegeben. Zusätzlich wurden im Bundesgehaltsabschluss 9,15 Prozent obendrauf gesetzt. Insgesamt sind das über 250 Millionen Euro mehr für unsere Mitarbeiter in den Spitälern. Das hat uns, was die Gehälter im Gesundheitswesen anbelangt, in wesentlichen Bereichen an die Spitze Österreichs gebracht.

So weit, so gut. Der bessere Verdienst allein wird die Personalnot aber auch nicht verringern.
Stimmt, Geld ist nicht alles. Aber Geld ist eine gewisse Motivation. Und natürlich geht es um mehr. Es geht um lebbare Arbeitsbedingungen, es geht um gute Ausbildungsbedingungen, es geht um Dienstplansicherheit. Das bedeutet natürlich, dass entsprechendes Personal im ausreichenden Umfang da sein muss. Und es geht auch um Entbürokratisierung. Wir müssen die überbordende Administration und Dokumentation unbedingt abbauen. Außerdem müssen die Arbeitsbedingungen familienfreundlicher werden. Wir müssen dafür sorgen, dass es ausreichend Kinderbetreuungsplätze in den Spitälern gibt. All das gehen wir jetzt eins nach dem anderen an und fangen an, diese Dinge abzuarbeiten.

Auch der Pflegebereich ist sehr kritisch. So ist die Altenpflege eine Dauerbaustelle. Die Demografie bringt außerdem mit sich, dass viele pensionsbedingt freiwerdende Planstellen nicht nachbesetzt werden können. Wie gehen Sie damit um?
Wir versuchen, die Pflege massiv zu attraktiveren. Die von mir in Zusammenhang mit der Spitalspflege genannten Aspekte gelten für den gesamten Pflegebereich. Wichtig ist darüber hinaus unsere Ausbildungsoffensive. Wir haben die Anzahl unserer FH-Studienplätze für die diplomierte Pflege deutlich aufgestockt. Der FH-Standort in Kapfenberg wird deutlich aufgewertet werden. Wir haben die Standorte unserer Pflegeschulen von sieben auf 15 erhöht. Wir investieren da also massiv, um die Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern. In der KAGes haben wir jetzt die Pflegelehre eingeführt. Wir sind die ersten Spitalsträger in Österreich, die so etwas machen.

Diese Maßnahmen setzen eine entsprechende Nachfrage nach Ausbildungen im Pflegebereich voraus. Hinkt diese aber nicht ein wenig hinter den neu geschaffenen Angeboten hinterher, oder täuscht dieser Eindruck?
Wir beobachten das sehr genau. Es geht ja auch darum, die Menschen richtig über das Angebot zu informieren, da setzen wir auch an mehreren Hebeln an. Wir haben zum Beispiel eine eigene Drehscheibe eingerichtet, ein Informationsbüro am Karmeliterplatz 2. Dorthin kann sich jeder wenden, der sich für einen Job im Pflege- und Gesundheitsbereich interessiert. Ich bin auch dabei, die berufsbegleitenden Plätze massiv ausbauen. Weil wir merken, dass da die Nachfrage sehr hoch ist.

Wenn die Nachfrage so hoch ist, warum kommt das dann bei den Patienten noch nicht an?
Die Pflege ist erst in jüngster Zeit in den Fokus gerückt, und zwar mit und nach Corona. Aber die Menschen spüren natürlich, dass man sich seitens des Landes und seitens der Politik bemüht. Schon jetzt kommen sehr viele Anfragen von Wiedereinsteigern oder Umsteigern. Das ist wirklich eine positive Nachricht. Ich kann von der KAGes erzählen, dass wir mittlerweile erstmals seit Langem wieder mehr Eintritte ins Unternehmen haben als Austritte. Und zwar sowohl im ärztlichen Bereich als auch im pflegerischen. Man sieht also, die Dinge, die wir machen, zeigen Wirkung. Es zeigt, dass wir versuchen, die PS auf die Straßen zu bringen. Für mich ist das eindeutig ein Silberstreif am Horizont.

Die Frage, wann das bei den Patienten ankommt, ist damit aber noch nicht beantwortet. Wir haben bei der KAGes zumindest 6.000 Betten, von denen ständig ungefähr zehn Prozent nicht einsatzbereit sind, weil es an Personal fehlt.
Ich sagte ja: Es ist ein Silberstreifen am Horizont. Allerdings muss ich zum Thema Betten auch etwas anfügen, denn das ist eine Diskussion, die ich mit großer Leidenschaft führe. Noch nie hat ein Bett einen Menschen geheilt. Es hilft also gar nichts, wenn ich ein Bett habe, wenn jedoch das Personal oder die technischen Vorrichtungen fehlen oder wenn ich das erforderliche medizinische Knowhow nicht habe. Der Bettenbestand stammt aus einer Zeit, in der die medizinischen Möglichkeiten bei weitem noch nicht so gegeben waren wie heute. Auch das muss man sehen.

Foto: Marija Kanizaj und Julian Tatzl

Was heißt das genau?
Viele Eingriffe, für die wir vor zehn Jahren noch ein Bett gebraucht haben, gehen heute ambulant und tagesklinisch. Ich habe als Arzt selbst viel im endoskopischen Bereich gearbeitet und etwa Gallengangsinterventionen und -darstellungen gemacht. Solche Eingriffe finden heute mit einer kurzen Sedierung statt. Man verabreicht also sogenannte »Wurstigkeitsspritzen« und der Eingriff ist nach einer halben Stunde erledigt. Früher waren das riesige Operationen, für die man 14 Tage im Spital bleiben musste. Heute kommt man in der Früh und geht am Abend nach Hause. Das gleiche trifft auf den Herzkatheter zu. Also noch einmal: Ein Bett allein heilt niemanden, dafür braucht es die Arbeit top ausgebildeter Ärztinnen und Ärzten und top ausgebildeter Pflegekräfte.

Das mag ja sein, aber jeder, der mit dem System ein bisschen zu tun gehabt hat, kennt die verzweifelten Versuche der Kliniken selber, für einen Patienten, den sie aufnehmen wollen, ein Bett zu finden. Bei Unfällen oder akuten Krankheiten ruft der zuständige Ambulanz- oder Notfallaufnahmearzt manchmal überall an und schaut, dass er irgendwo ein Bett erwischt. Mit Glück klappt das irgendwann.
Mittlerweile wird innerhalb der Spitäler diesbezüglich sehr gut zusammengearbeitet. Ich bin ja selber, wie gesagt, bis vor kurzem im LKH II in der Notaufnahme gesessen und ich war immer dankbar, wenn andere Spitäler wie Enzenbach oder Wagna, Deutschlandsberg oder Voitsberg einspringen konnten, weil sie noch ein freies Bett hatten und wir in der Nacht keines mehr. Das ist einfach so. Wichtig ist, dass die Genesung im Mittelpunkt steht.

Dass dem so ist, wird von den Menschen in den unterschiedlichen Regionen der Steiermark jeweils anders wahrgenommen …
Natürlich nehme ich auch wahr, dass die Leute Sorge haben, was in welcher Region der Steiermark angeboten wird. Mir ist in diesem Zusammenhang eines wichtig: Ich will keine Steiermark der zwei Geschwindigkeiten. Es soll der Patient in der Obersteiermark den gleichen Zugang zur Versorgung haben wie der Patient in Graz, wie in Leibnitz oder in der Oststeiermark. Wir brauchen überall unsere Gesundheitszentren, wir brauchen überall unsere Hausärzte und Fachärzte, wir brauchen die Spitäler und wir brauchen und haben eine Rund-um-die-Uhr-Notfallkette. Wir haben 20 Notarztstützpunkte in der Steiermark, die rund um die Uhr besetzt sind. Wir haben drei Notarzthubschrauber, zwei davon 24 Stunden nachtflugtauglich. Das heißt: Ganz gleich wo, die Steirer haben überall die gleiche notärztliche Versorgung.

Das klingt nun so, als hätten wir überhaupt keine Probleme. Was uns zu unserer ursprünglichen Frage bringt, wann werden die Reformen, die Sie initiiert haben, wirksam?
Es wird dauern, bis die Dinge, die wir jetzt angehen, spürbar sind. Jeder, der ihnen etwas anderes verspricht, will politisches Kleingeld wechseln. Das ist nicht seriös. Denn mit der Gesundheit der Menschen und mit den Ängsten, die damit einhergehen, spielt man nicht. Mir ist wichtig, dass die Leute spüren und merken und wissen, da gibt es Leute, die machen sich auf den Weg und die packen die Dinge an. Und ich kann versprechen, dass ich das mit ganzer Kraft tue. Wie gesagt, die Spitäler sind in meinem unmittelbaren Einflussbereich. Komplizierter wird es im Bereich der Selbstverwaltung und natürlich großen Teilen des niedergelassenen Bereichs. Hier kommt meinem Veränderungswillen aber zugute, dass ich viele der handelnden Personen sehr gut kenne.

Ein Riesenthema sind die Wartezeiten. Termine bei Fachärzten, Termine für Operationen sind oft monatelang nicht zu bekommen. Wie erklären Sie das jemandem, der »in einem der besten Gesundheitssysteme der Welt« dringend eine Krebstherapie braucht?
Seit Jahren wird von den Wartezeiten geredet. Ich habe mir vorgenommen, das Thema ernsthaft anzugehen. Im Fokus des Projekts stehen insbesondere die fünf Disziplinen Grauer Star, Hüft- und Kniegelenksersatz, Krebs- und Strahlentherapie. Wir haben uns vorgenommen, mit diesen Bereichen zu beginnen, und die Wartezeiten zu reduzieren.

Das sind doch recht unterschiedliche Krankheitsbilder …
Das sind die fünf Bereiche, die wir jetzt einmal lösen wollen, und wo wir im Spitalsbereich unmittelbar etwas tun können. Wir haben 35 Expertinnen und Experten aller Bereiche und aller Spitalsträger eingeladen, mit uns Vorschläge zu erarbeiten. Die KAGes, die Medizinische Universität Graz, die Barmherzigen Brüder, die Elisabethinen, die AUVA und die Patientenanwaltschaft sind ebenso dabei wie der Gesundheitsfonds Steiermark, die Ärztekammer und die Sozialversicherungen. Damit wird das »Schrebergartldenken« – das ist »mein« Patient und das ist »dein« Patient – endlich aufhören.

Aber wie konkret kann man diese Wartezeiten verkürzen? Welche Ideen haben Sie?
Bleiben wir beim Hüftgelenksersatz. Da haben wir in Graz eine Wartezeit von 50 Wochen! In Bad Radkersburg, einem Krankenhaus, das zum selben Unternehmen gehört, nämlich zur KAGes, beträgt die Wartezeit zwölf Wochen. Und da stelle ich mir schon die Frage, ob es da nicht irgendwas in der Mitte gibt. Also das heißt, wir müssen zunächst einmal ins »Miteinander-Reden« kommen.

Eine weitere Frage, die sich immer wieder stellt, ist die nach den Terminen im niedergelassenen Bereich. Wie kann es sein, dass wir mit einer der höchsten Ärztedichten der Welt in bestimmten Fachrichtungen keine zeitnahen Termine zusammenbringen und die Spitalsambulanzen überlaufen sind?
Die Frage ist, in welchen Bereichen diese Ärzte tätig sind. Und ja, da haben wir natürlich ein Thema mit den Kassenverträgen. Da ist auch die ÖGK gefordert, mit der Ärztekammer gemeinsam zu schauen, wie man attraktiver wird. Auch da gibt’s einige tolle Ansätze. In der Steiermark, das wissen die wenigsten, ist mittlerweile eine Vier-Tage-Woche für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte möglich, wenn sie ihre Ordinationen mindestens 23 Stunden in der Woche offen haben. Statt der 20, die bei einer Fünftagewoche verpflichtend sind.

Das wäre ein Ansatz. Wird das reichen?
Nein, natürlich nicht. Ein anderer Ansatz ist der der abgestuften Versorgung. Am Anfang steht der Anruf beim Gesundheitstelefon 1450, dann kommt die Einzelordination, dann das Gesundheitszentrum, die Spitäler und am Ende steht das Universitätsklinikum, wo jeden Tag Forschung und Entwicklung am Puls der Zeit stattfindet. So sollte der Weg sein. Ich breche eine Lanze für das Gesundheitstelefon 1450 als Navigationssystem durch die Gesundheitseinrichtungen. Das müssen wir noch viel stärker in den Köpfen der Menschen verankern.

Rektor Hellmut Samonigg hat vor einigen Tagen bei einem Pressegespräch gemeint, wir hätten immer noch zu viele Spitäler. Die Standorte wurden im regionalen Strukturplan Gesundheit eigentlich fixiert. Aber die Regionalpolitik glaubt immer noch, sie muss den Menschen eine regionale Gesamtversorgung garantieren.
Ich glaube, viel wichtiger ist, dass man sich fragt, welcher Standort welche Aufgabe erfüllen soll. Prinzipiell ist es natürlich sinnvoll, Kompetenzen an einem Ort zu bündeln. Ich persönlich lasse mich lieber von jemandem operieren, von dem ich weiß, dass er diesen Eingriff jede Woche mehrmals macht, als von jemandem, der das vielleicht nur dreimal im Jahr macht. Da kann man durchaus auch strukturelle Synergien bei bestehenden Standorten nutzen. Ein Beispiel: Das LKH Südsteiermark besteht aus den Standorten Wagna und Bad Radkersburg. Wir schreiben im Frühjahr ein Primariat für Orthopädie und Traumatologie aus, das mittlerweile aufgrund gesetzlicher Vorgaben nur mehr ein einzelnes Fach ist. Das bedeutet, ein Primariat reicht aus, um an einem Standort orthopädische und am anderen traumatologische Eingriffe zu organisieren.

Wenn wir schon bei der Standortfrage sind: Stichwort Rottenmann, Aussee und Schladming. Da wollen Sie gleich drei Krankenhäuser streichen und durch eines in Stainach ersetzen. Das ist den Menschen schwer zu vermitteln. Und das sorgt für politische Unruhe, die man gerade in einem Wahljahr nicht brauchen kann.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man, wenn man die Dinge gut und schlüssig erklärt, viele Ängste nehmen kann.

Foto: Marija Kanizaj und Julian Tatzl

Beim Leitspital für den Bezirk Liezen tut man sich offensichtlich schwer, das den Menschen verständlich zu machen.
Durchaus. Das ist ja eine hoch emotionale Debatte. Umso wichtiger ist dann auch, dass man versucht, ein bisschen Ruhe reinzubringen. Aber natürlich stürzen sich alle Oppositionsparteien auf das Thema, in der Hoffnung, ein bisschen politisches Kleingeld zu wechseln. Das ist nun einmal so. Die Wahrheit ist, wenn wir das Leitspital umgesetzt haben, werden wir eines der modernsten Spitäler Europas in Liezen haben. Und bezüglich der anderen Standorte, Bad Aussee, Schladming und Rottenmann, müssen wir natürlich sagen, wie diese Standorte nachgenutzt werden sollen. Auch diesbezüglich gibt es schon sehr konkrete Pläne.

Eine weitere Idee ist die der sogenannten »Steirer-Ambulanzen«. Was steckt da dahinter?
Da möchte ich um ein bisschen Geduld bitten, wir arbeiten gerade daran. Die Idee geht auf Landeshauptmann Christopher Drexler zurück, dem das Thema sehr wichtig ist. Wir sind in Gesprächen draufgekommen, dass die Menschen vor allem in Randzeiten und den Nachtstunden oft das Gefühl haben, sie müssten sich im Spital versorgen lassen. Der Zugang des Landeshauptmannes ist, dass es eine Struktur geben muss, in der auch um zwei in der Früh jemand abseits eines Spitals für die Patienten da ist. Wir sind gerade dabei, diese Struktur zu konzipieren, abseits der Spitalsambulanzen. Aber nicht abseits der Primärversorgungseinheiten.

Herr Kornhäusl, vielen Dank für das Gespräch.

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Karlheinz Kornhäusl wurde am 1. Jänner 1982 geboren und hat für seine 42 Jahre schon einen beachtlichen Werdegang vorzuweisen. Nach der Matura am Bundesgymnasium Stift Rein beeilte sich der gebürtige Hitzendorfer, den Präsenzdienst und das Medizinstudium zu absolvieren. Nach seiner Promotion 2009 absolvierte er zunächst die Ausbildung zum Allgemeinmediziner und danach die Facharztausbildung für Innere Medizin am LKH Wagna. Daneben engagierte sich der Vater zweier Kinder politisch in der Ärztekammer, in der ÖVP u.a. als Bezirksparteiobmann, Bundesrat (2019 bis 2023) und ÖAAB-Funktionär. Sportlich war der leidenschaftliche Tennisspieler als Vorstand des GAK aktiv, bis er im Oktober 2023 vom Steiermärkischen Landtag zum Gesundheitslandesrat gewählt wurde.

Fazitgespräch, Fazit 201 (April 2024), Fotos: Marija Kanizaj und Julian Tatzl

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